Harry Potter und der Orden des Phönix

Ich war heute im Kino und wollte daher mal etwas zu den Übersetzungsbedingungen und -fehlern sagen.

Doch fangen wir mit einem Zitat der harrypotter-xperts.de an:

1) Eine perfekte Übersetzung gibt es nicht. Findet ihr Eure Kritik daher nicht etwas übertrieben?
Richtig, keine Übersetzung ist perfekt und dass Klaus Fritz bei der Übersetzung der Harry-Potter-Bücher immer unter starkem Zeitdruck steht, erleichtert seine Arbeit sicherlich nicht. Es geht uns also bei aller Polemik nicht darum, vernichtende Kritik an Klaus Fritz zu üben, sondern seine Vorschläge zu ergänzen und konstruktiv zu diskutieren. Die “perfekte” Übersetzung eines poetischen Textes kann es ja gar nicht geben, eine Übersetzung läßt sich nicht eindeutig lösen wie eine mathematische Gleichung. Lösungen gibt es ebenso viele wie Strategien, sich einem Text zu nähern. Mit der Gurkensammlung möchten wir unsere Besucher zur kritischen Lektüre und zum Mitdenken ermutigen. Und auch dazu, sich einmal an das englische Original zu wagen!”

Hier werden viele wichtige Themen genannt. Ich möchte mal mit dem Thema Zeitdruck beginnen und zitiere daher Wiki:

“Harry Potter and the Order of the Phoenix entstand zwischen 2000 und 2003 und wurde am 21. Juni 2003 in englischer Sprache veröffentlicht.

Mit 766 Seiten in der britischen bzw. 1021 Seiten in der deutschen Ausgabe ist der Orden des Phönix das umfangreichste Werk der Reihe.

Bereits am 11. Juli 2003 stellte das Fanprojekt „Harry auf Deutsch“ eine vollständige Übersetzung des Werkes allen Mitübersetzern zur Verfügung.

Die lizenzierte deutsche Ausgabe, wie die vorherigen Bände übersetzt von Klaus Fritz, erschien am 8. November 2003 beim Carlsen Verlag.”

Ein sehr fleißiger Übersetzer schafft normalerweise max. 5-8 Seiten am Tag, das ist zumindest die Zahl, die ich als Studentin von”fertigen” Literaturübersetzern zu hören bekomme.

766:5 (Seiten) = 153,2 Tage 153,2:30(Tage) = 5,1 Monate

766:8 (Seiten) = 95,75 Tage 95,75:30(Tage) = 3,2 Monate

Da die deutsche Übersetzung ca 4 1/2 Monate nach dem Erscheinen des Originals herauskam, wird der Übersetzer wohl etwas mehr als 6 Seiten am Tag übersetzt haben. Das ist sicher machbar, aber je anspruchsvoller der literarische Text, desto mehr Zeit sollte man auch zur Verfügung haben, um zumindest eine annähernde Qualität erreichen zu können.

Es ist schon etwas merkwürdig, dass die dt. Version 255 Seiten mehr umfasst, was ganze 33,3 % des Originals entspricht. Natürlich ist es normal, dass bei einer Übersetzung vom Englischen ins Deutsche oft der Umfang größer wird, da man den knappen Stil nicht einfach so locker nachahmen kann. Dennoch sollte sich ein guter Übersetzer darum bemühen. (Und die nötige Zeit zur Verfügung gestellt bekommen.)

Während Klaus Fritz also noch übersetzte, haben Laien schon die ersten vier der insgesamt 37 Kapitel von Harry Potter and the Goblet of Fire übersetzt und am 13. August zum kostenlosen Download ins Netz gestellt. Gleichzeitig erfolgte ein Aufruf zum Harry Potter Übersetzungswettbewerb , an dem sich Lehrer, Anglisten, Abiturienten und Zauberlehrlinge jeder Art beteiligen sollen. (Dieses Projekt wurde aber auf Grund des urheberrechtlich geschützen Materials vereitelt.)

Grundsätzlich ersetzen solche “ungeduldigen” Laienübersetzungen natürlich nicht einen richtigen, professionellen Literaturübersetzer. Aber das Projekt an sich ist meiner Meinung nach eine gute Sache und wer sich als wahrhafter Fan daran macht, der kann sicherlich an einigen Stellen ein paar Nuancen mehr retten, aber auch nur dann, wenn er sich Zeit nehmen kann.

Zeit genommen haben sich ganz eindeutig die Macher von http://www.harrypotter-xperts.de/

hier ein prima Beispiel, Zitat:

“Kapitel 3

Seite 67
WichtigAls Harry von den Dursleys abgeholt wird, sagt Tonks: “Wette, du würdest diese Narbe gelegentlich gern mal verstecken, was?” “Nein, das würde ich nicht”, murmelte Harry. Merkwürdig, wo er es doch nicht mag wenn Menschen auf seine Narbe schauen. Aber im Original sagt Tonks ja auch was anderes. “Bet you wouldn’t mind hiding that scar sometimes, eh?” Also: “Wette, es würde dir nichts ausmachen, diese Narbe gelegentlich zu verstecken, was?” Dann stimmt Harrys Antwort auch wieder, denn dann würde er sagen: “Nein, das würde es nicht.””

(http://www.harrypotter-xperts.de/gurkensalat?&book=5)

Published in: on 26 Juli 2007 at 3:04 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
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